WirNachbarn

Zettel, die an Häuserfassaden einer Kölner Wohnanlage hängen. Darauf eine Einladung zum gemeinsamen Nachbarschafts-Picknick. Jeder kann kommen, jeder bringt was mit: Essen, Trinken und vor allem Zeit und Lust, um die anderen kennenzulernen. So fing alles an, vor ein paar Jahren in einer Kölner Wohngegend. Mit den Hausflur-Flyern organisierte die Nachbarschaft kleine und große Treffen, besondere Aktionen oder einfach Suche, Biete, Tausche!

Vor drei Jahren hatte die Nachbarschaft genug von den Flyern, erinnert sich Annette F.: „Zu diesem Zeitpunkt wurden Stimmen lauter, die meinten, wir sollten das etwas mehr strukturieren und die Kommunikationsmöglichkeiten verbessern.“ Annette hatte schließlich die Idee, das Ganze ins Netz zu verlagern. Nach ein paar Online-Versuchen, stieß sie auf die Seite WirNachbarn: „Da war die Plattform gerade wenige Tage beta-online. […]Wir haben hier quasi den gnadenlosen Praxistest gemacht.“

Wir, das sind mittlerweile 73 registrierte Mietparteien von insgesamt 300, die es in der Wohnsiedlung gibt. Viele Ältere sind unter den Nutzern, der älteste ist immerhin 76 Jahre. Übers Internet organisieren sie ihr nachbarschaftliches Miteinander: „Sommerfeste, Glühweinabende, letztes Jahr im strömenden Regen mit dennoch fast 40 Teilnehmern, Büchertausch und im Kleinen Spieleabende, gemeinsames Kochen, Frühstücken. Jedes dieser Treffen war schön und immer sind neue Menschen dazu gekommen. Viele hatten zunächst online Kontakt aufgenommen. So fiel es ihnen leichter, sich dann einfach dazu zu setzen“, so Annette.

Wer sich bei WirNachbarn registriert, kann sich unter seinem Wohnort seiner Nachbarschaft anschließen oder selber eine gründen. Fakeprofile haben hier eher keine Chance. Wer sich registriert, der muss Name und Adresse angeben und diese Daten bestätigen lassen. Dazu kann ein Dokument hochgeladen werden, wie z.B. der Personalausweis oder eine Stromrechnung. Hauptsache Name und Adresse sind lesbar. Das Ganze klappt auch per Anruf oder ist sogar per Code möglich, der auf einer Postkarte an die angegebene Adresse verschickt und auf WirNachbarn eingetragen wird. In seinem Profil kann jeder angeben, was er verleihen möchte und wobei er helfen mag. Dabei geht es um ganz alltägliche Dinge, erklärt Annette: „Die Zeitung, die eine ältere Nachbarin uns auf die Türschwelle bringt, die Kontakte zwischen Familien und älteren Menschen, die kurzen Wege, wenn man jemanden braucht, der die Katze füttert oder die Blumen gießt. Auch die Suche nach einer Heckenschere ist jetzt einfacher und es geht auch durchaus eine Info an die Nachbarn, wenn Fahrräder geklaut werden, damit alle etwas aufmerksamer sind.“

Jede Nachbarschaft kann festlegen, wer ihre Inhalte lesen kann. Manche Infos sind durchaus auch für andere Nachbarschaften relevant, wie z.B. die Verkaufsanzeige fürs Auto. Für Suchmaschinen sind all diese Inhalte nicht auffindbar.

Ungefähr 5000 Nutzer machen derzeit bei WirNachbarn mit. Die meisten davon leben in Berlin und Köln. Für die Gründer geht es weiter darum, neue User zu finden. Ideen haben sie genug. Zum Beispiel könnten Infos aus der Stadtverwaltung spezifisch für die Stadtteile und Quartiere zur Verfügung gestellt werden. Sperrungen, Baustellen, Blitzer, Störungen bei Bus und Bahn oder auch Öffnungszeiten von Bädern, Bäckern oder Ärzten. Auch Annette hat Ideen: „Aktuell bin ich auch mit der Volkshochschule im Gespräch, die Angebote einstellen wollen, z. B. Infos über Führungen durch die einzelnen Viertel.“

WirNachbarn kann bislang kostenlos genutzt werden. Wenn es nach den Gründern geht, dann soll das auch noch eine zeitlang so bleiben. Ende 2014 sagten sie in einem Interview mit Onlinemagazin:“Wir schätzen, dass wir frühestens in drei Jahren anfangen werden, über Werbung unser Projekt zu finanzieren.“

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