sneep – Studentisches Netzwerk für Wirtschafts- und Unternehmensethik

sneep Köln

© sneep Köln (Anna Wiebe 3.v.l)

Vor kurzen unterhielt ich mich mit einer Kollegin, die ehrenamtlich bei sneep (student network for ethics and economics in practice, also Studentisches Netzwerk für Wirtschafts- und Unternehmensethik) arbeitet. Dabei lernte ich, dass es sich dabei um ein studentischen Netzwerke für Wirtschafts- und Unternehmensethik in Deutschland, Österreich und der Schweiz handelt. Da ich das Netzwerk im ersten Moment nicht direkt einordnen konnte, bat ich meine Kollegin Anna Wiebe, die im bundesweiten Vorstand und als Leiterin der Lokalgruppe in Köln engagiert ist, mich aufzuklären.

Seit nunmehr zehn Jahren ist das studentische Netzwerk mittlerweile aktiv und setzt sich für die Wirtschaftsethik in der Lehre ein. Behandelt werden in diesem Zusammenhang unter anderem Themen wie das nachhaltige Wirtschaften oder die unternehmerische Verantwortung. Diese Themen sind ein wichtiger Baustein hinsichtlich der zukünftigen oder wie wir sie nennen Morgenstadt. sneep bietet für alle Interessierten eine Austauschplattform, schafft einen Praxisbezug und ermöglicht den Mitgliedern die Durchführung selbstständiger Projekte rund um das Thema Ethik und nachhaltiges Wirtschaften. Durch die verschiedenen Aktivitäten sollen alle Interessierten, ob Studierende, Auszubildende, Schüler oder Berufseinsteiger, animiert werden, über die Grenzen der „klassischen Ökonomie“ zu denken. Der kritische Diskurs der Wirtschafts- und Unternehmensethik wird somit gefördert.

Doch was genau bedeutet eigentlich Wirtschaftsethik? Und wie kann man diesen Begriff mit sneep vereinen?

Wenn wir bei sneep von Wirtschaftsethik sprechen, dann beziehen wir alle Bereiche der Nachhaltigkeit (Soziales, Ökologie, Ökonomie) ein und setzten uns mit verschiedenen Ansätzen auseinander. Wir überlegen uns, wie die heutige Gesellschaft ist und was wir verbessern können. Wir streben keinem Dogma hinterher. Unser Ziel ist es, vor allem junge Menschen zu kritischem Nachdenken zu bewegen. Auch innerhalb von sneep haben nicht alle dieselbe Meinung und genau das macht uns aus, dass wir diskutieren und uns in vielen verschiedenen Bereichen, wie beispielsweise der differenzierten Lehre in der Ökonomie oder auch der Ausrichtung der Wirtschaft an ökologischen und humanen Faktoren einsetzen.

Anna studierte an der Universität zu Köln Volkswirtschaftslehre (VWL) und wurde im Laufe ihres Studiums immer kritischer. Während des Studiums stand der Aspekt des Profites und insbesondere des Wirtschaftswachstums im Vordergrund. Daher suchte sie eine Plattform, um ihre kritischen Gedanken auszuleben und Erfahrungsaustausch zu betreiben.

In meinem VWL-Studium hatte ich immer das Gefühl, die verschiedenen beigebrachten Bereiche, Theorien und Prozesse zu hinterfragen. Beispielsweise im zwischenmenschlichen Verhältnis. Ist es legitim, billige Arbeitskräfte zu nutzen, um mehr Profit zu erreichen? Wie stark darf das ausgenutzt werden? Ich hatte das große Glück, dass 2010 an der Universität zu Köln der Lehrstuhl für Unternehmensentwicklung und Wirtschaftsethik gegründet wurde. Dadurch konnte ich mir Zeit nehmen, mich wissenschaftlich mit dem Thema zu befassen. Ich setzte mich mit Studien auseinander und schaute mir an, welche Philosophen in diesem Themenfeld publizierten, und merkte schnell, wie wichtig es ist, sich damit auseinanderzusetzen. Den Austausch, der mir zuvor fehlte, bekam ich bei sneep. Ich ging eines Tages spontan zu einem Treffen und merkte schnell, dass es sich bei den Mitgliedern um Studenten aus den verschiedensten Bereichen mit kritischem Blick auf die Lehre handelt. Seit dem ersten Treffen bin ich überzeugte sneep.

sneep

© sneep

Das Netzwerk ist bemüht, den Diskurs in der Wirtschaftsethik anzutreiben. Daher bietet sneep zum Beispiel Info-Veranstaltungen und Workshops an. Im letzten Jahr organisierten die sneeps (nicht sneepies oder sneepers) einen Workshop zum Thema Arbeit und Mensch. Da ging es dann unter anderem darum, was den Menschen und das Wohlergehen bei der Arbeit fördert oder schwächt. Zudem organisierte das Netzwerk im letzten Jahr eine Stromlosparty, bei der komplett ohne den Verbrauch von Strom gefeiert wurde. „Alle hatten Sorge, dass es warmes Bier gibt, was aber nicht der Fall war“, so Anna. Die Party war ein großer Erfolg und soll in naher Zukunft wiederholt werden.
Dass sneep so erfolgreich Veranstaltungen umsetzt, liegt neben der Beteiligung der einzelnen Mitglieder auch an den festen Netzwerkpartnern, die sneep für sich gewinnen konnte. Seit seiner Gründung im Jahre 2003, hat sneep eine starke Partnerschaft mit dem Deutschen Netzwerk Wirtschaftsethik (DNWE), die sich durch gegenseitige Unterstützung und strategische Zusammenarbeit auszeichnet. Ein weiterer Partner ist die Initiative The Global Compact, durch die sich teilnehmende Unternehmen auf UN-Ebene selbst dazu verpflichten, ihre Geschäftstätigkeiten an zehn anerkannten Prinzipien u.a. im Handlungsfeld der Menschenrechte sowie Arbeitsnormen durchzuführen. In diesem Zusammenhang übernimmt sneep die Aufgabe (für interessierte Unternehmen), ein konstruktives Feedback über die Jahresberichte zu geben. Weitere Netzwerkpartner sind neben der GLS Bank die Internet-Plattform CSR News, die agora42, ein philosophisches Wirtschaftsmagazin (lesenswert!) sowie die Initiative Principles for Responsible Management Education (PRME).

Wie ihr seht, ist sneep breit aufgestellt und konnte sich bereits in der Außenwahrnehmung etablieren. Anna sagte mir im Interview, wer einmal zu einer sneep-Veranstaltung geht, ist begeistert und würde immer wieder kommen. Da das fast wie eine Herausforderung klang, dachte ich mir, gut ich bin beim nächsten monatlichen Treffen dabei. Und so fuhren Anna und ich von Duisburg nach Köln. Wie auch bei anderen Netzwerken variiert die Teilnehmerzahl bei den Treffen. Ich lernte acht engagierte und äußerst freundliche sneep-Mitglieder aus den verschiedensten Fachbereichen kennen. So waren neben Studenten der Wirtschaft auch Philosophiestudenten sowie Absolventen und Berufseinsteiger vor Ort. Neben organisatorischen Themen wurde in dem zweistündigen Treffen hitzig diskutiert und Wissen ausgetauscht. Nach dem offiziellen Treffen ging es anschließend -traditionellerweise- in eine nah gelegene Bar. Dort wurde bei ein, zwei Kölsch weiterdiskutiert. Mein Fazit: Anna hatte Recht, es lohnt sich. Gerade eben habe ich mich nun auch bei sneep kostenlos als Mitglied angemeldet und freue mich auf eine spannende und informative Zeit! Für alle Interessierten findet vom 10. bis 14. April 2014 die jährliche Frühjahrstagung in Konstanz statt. Für mehr Informationen zur Tagung oder der Teilnahme in bzw. Gründung einer Lokalgruppe in eurer Nähe, könnt ihr euch per Mail an anna.wiebe@sneep.de oder info@sneep.de wenden oder unter folgenden Links weitere Informationen einholen:
http://www.sneep.info/mitmachen und
http://www.facebook.com/sneep.info.

Werbung

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s